
Wie ein Blatt im Wind, bewegt von einer unsichtbaren Kraft, den Körper kaum mehr spüren und innerlich in totalem Glück davonfliegen – das ist Nataraja – ein Tanz, der den Zustand von Meditation durch Bewegung erschafft.
Wissenswertes über NATARAJA
Nataraja ist eine der bekanntesten und symbolisch reichsten Darstellungen des hinduistischen Gottes Shiva. Der Name bedeutet wörtlich „König des Tanzes“ (Nata = Tanz, Raja = König).
Darstellung und Symbolik: Nataraja wird als tanzender Shiva dargestellt, meist in einem Feuerkreis (Prabhamandala). Die Figur hat typischerweise vier Arme: Eine Hand hält eine kleine Trommel (Damaru), eine andere zeigt das Abhaya-Mudra (Schutzgeste), eine dritte Hand trägt Feuer, und die vierte zeigt auf den erhobenen Fuß. Mit seinem anderen Fuß tritt er auf den Dämon Apasmara, der Unwissenheit symbolisiert.
Kosmische Bedeutung: Der Tanz des Nataraja repräsentiert den ewigen Kreislauf von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung des Universums. Die Trommel symbolisiert den Urklang der Schöpfung, das Feuer steht für die Zerstörung, die Transformation ermöglicht. Der Tanz selbst verkörpert die dynamische Energie des Kosmos.
Kulturelle Bedeutung: Nataraja ist besonders in Südindien verehrt und gilt als Schutzgottheit der Künste, insbesondere des Tanzes. Der berühmte Tempel von Chidambaram in Tamil Nadu ist dem Nataraja gewidmet. Die Darstellung ist auch ein wichtiges Motiv in der indischen Kunst und Skulptur, mit besonders beeindruckenden Bronzestatuen aus der Chola-Zeit (9.-13. Jahrhundert).
Diese Ikonographie verbindet spirituelle Philosophie mit künstlerischer Schönheit und macht Nataraja zu einem der tiefgreifendsten Symbole des Hinduismus.
CONSCIOUS DANCE, ECSTATIC DANCE, FIVE RHYTHMS, SOULMOTION …
Diese Bewegungsformen sind Teil der modernen bewussten Tanz- und Körperarbeitsbewegung, die körperliche Bewegung mit spiritueller und emotionaler Heilung verbindet.
Conscious Dance (Bewusster Tanz): Ein Überbegriff für Tanzformen, die Achtsamkeit, Selbstausdruck und innere Erfahrung betonen. Teilnehmer bewegen sich frei ohne vorgegebene Choreographie und folgen ihren inneren Impulsen. Der Fokus liegt auf dem Prozess, nicht auf der Leistung.
Ecstatic Dance: Entstanden in den 1960er-70er Jahren, kombiniert freie Bewegung mit spiritueller Praxis. Oft ohne Worte, mit speziell ausgewählter Musik, die emotional aufbauende „Journeys“ kreiert. Ziel ist es, durch Tanz in veränderte Bewusstseinszustände zu gelangen und emotionale Blockaden zu lösen.
5Rhythms (Fünf Rhythmen): Entwickelt von Gabrielle Roth in den 1970ern. Basiert auf fünf universellen Rhythmen: Flowing (Fließen), Staccato (Präzision), Chaos (Loslassen), Lyrical (Ausdruck) und Stillness (Stille). Jeder Rhythmus entspricht verschiedenen Lebensphasen und Emotionen. Wird oft als „bewegende Meditation“ beschrieben.
SoulMotion: Gegründet von Vinn Arjuna Martí, betont die Verbindung zwischen Körper und Seele. Integriert Elemente aus Tanz, Yoga, Kampfkunst und Körperarbeit. Fokussiert auf authentische Bewegung und die Weisheit des Körpers.
Gemeinsame Prinzipien:
- Urteilsfreier Raum für Selbstausdruck
- Bewegung als Heilungs- und Transformationswerkzeug
- Verbindung von Körper, Geist und Seele
- Ohne Alkohol/Drogen („sober high“)
- Gemeinschaftsgefühl und Verbindung
Diese Praktiken haben sich global verbreitet und werden in Studios, Festivals und Retreats angeboten.
Es gibt viele weitere bewusste Tanz- und Bewegungsformen, die ähnliche Prinzipien verfolgen:
Authentic Movement: Entwickelt von Mary Starks Whitehouse, gilt als eine der Grundlagen der Tanztherapie. Fokussiert auf die Beziehung zwischen dem „Mover“ (Bewegenden) und dem „Witness“ (Zeugen). Sehr introspektiv und therapeutisch orientiert.
Contact Improvisation: Entstanden in den 1970ern durch Steve Paxton. Basiert auf dem physischen Kontakt zwischen Tanzpartnern, dem Spiel mit Gewicht, Schwerkraft und Momentum. Entwickelt Vertrauen und nonverbale Kommunikation.
Movement Medicine: Entwickelt von Susannah und Ya’Acov Darling Khan. Verbindet schamanische Traditionen mit modernem Tanz. Nutzt die vier Richtungen und Elemente als Struktur für Heilung und Transformation.
Open Floor International: Gegründet von Andrea Juhan und Lori Saltzman. Kombiniert Tanz mit Gesprächskreisen und Körperarbeit. Betont emotionale Intelligenz und zwischenmenschliche Verbindungen.
Biodanza: Entwickelt von Rolando Toro in Chile. Verbindet Musik, Bewegung und Gruppenübungen zur Förderung von Lebensfreude und menschlicher Verbindung. Stark strukturiert mit spezifischen Übungen.
WEITERE, ÄHNLICHE TANZ- UND BEWEGUNGSFORMEN
Nia (Neuromuscular Integrative Action): Kombiniert Tanz, Kampfkunst und Heilkünste. Betont die Freude an der Bewegung und das Hören auf den eigenen Körper.
Qoya: „Movement that feels good in your body“ – verbindet Yoga, freien Tanz und sinnliche Bewegung, oft mit Fokus auf feminine Energie.
Transformational Dance: Verschiedene Ansätze, die Tanz als Werkzeug für persönliche Transformation nutzen, oft mit spirituellen oder therapeutischen Elementen.
Continuum Movement: Entwickelt von Emilie Conrad, basiert auf wellenförmigen Bewegungen und Atemarbeit, inspiriert von der Entwicklung des Lebens aus dem Wasser.
Diese Formen überschneiden sich oft und beeinflussen sich gegenseitig, alle mit dem gemeinsamen Ziel, Bewegung als Weg zu Heilung, Selbstausdruck und Bewusstsein zu nutzen.
LINKS
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