Nataraja ist eine der bekanntesten Darstellungsformen von Shiva im Hinduismus und bedeutet wörtlich “König des Tanzes” (Nata = Tanz, Raja = König). Diese Darstellung zeigt Shiva als kosmischen Tänzer, der das Universum durch seinen Tanz erschafft, erhält und zerstört.
Die klassische Ikonografie
Die berühmte Bronze-Darstellung aus Südindien (besonders aus der Chola-Dynastie, 10.-12. Jahrhundert) zeigt Nataraja mit vier Armen in einem Feuerring (Prabhamandala):
- Obere rechte Hand: Hält die Damaru-Trommel (Symbol für Schöpfung und kosmischen Klang)
- Obere linke Hand: Trägt Feuer (Symbol für Zerstörung und Erneuerung)
- Untere rechte Hand: Zeigt die Abhaya-Mudra (Geste des Schutzes)
- Untere linke Hand: Zeigt auf den erhobenen linken Fuß (Symbol für Befreiung)
- Rechter Fuß: Steht auf dem Dämon Apasmara (Unwissenheit/Vergesslichkeit)
Philosophische Bedeutung
Der Tanz des Nataraja repräsentiert den ewigen Kreislauf von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung. Es ist der Anandatandava – der Tanz der Glückseligkeit, der die kosmischen Zyklen in Bewegung hält.
Kulturelle Bedeutung
Nataraja ist besonders in Tamil Nadu verehrt, wo Chidambaram als einer der wichtigsten Tempel gilt. Die Darstellung beeinflusste jahrhundertelang Kunst, Tanz und Philosophie in Südindien.
Moderne Rezeption
Interessant ist, dass eine Nataraja-Statue sogar am CERN in der Schweiz steht – als Symbol für den kosmischen Tanz der subatomaren Teilchen.